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Erntedank

Erntedank
Ich weiß, es ist lange her, seit ich das letzte Mal meine Gedanken verfasst habe. Es ist sehr viel passiert. Das Leben war ein ständiges auf und ab. Ich habe gelacht, geweint, geflucht, getrauert, mich gefreut, ich habe gehadert, mich geärgert, mich aufgeregt und wieder beruhigt. Eines allerdings blieb die ganze Zeit über konstant. Ich war immer voll Hoffnung und Dankbarkeit.
Ich arbeite im Kloster. Dort habe ich jede Menge gelernt, über mich, über meine Mitmenschen, über das Leben, über Glaube, über Schicksal, über Lernaufgaben des Lebens und jede Menge mehr.
Es war eine sehr aufregende Zeit für mich, sie war und ist nach wie vor sehr intensiv und vor allem tiefgehend. Viele persönliche Gespräche mit den Nonnen haben mich gelehrt, dass es im Leben nicht um Besitztum geht. Es geht um Glaube, Liebe, Hoffnung, Menschlichkeit, gute wie auch schlechte Gefühle, es geht um Vergebung und Durchhaltevermögen, möge es noch so schwer oder ungerecht wirken. Und ganz wichtig, wirklich sehr, sehr wichtig, es geht um Vertrauen. Vertrauen, dass alles einen Sinn hat, auch wenn es manchmal noch so unsinnig erscheint. Vertrauen in sich selbst, in andere und vor allem das Vertrauen in eine höhere Macht (die darf jeder nennen wie er will). Vertrauen, dass jede Anstrengung irgendwann belohnt wird, auch wenn es nicht immer gleich so aussieht. Dass wir, egal was auch passiert, für ALLES Dankbar sein können.
Wir hatten heute Erntedank, unsere mühevolle Arbeit zu Beginn der Saison wurde belohnt mit reichlich Obst, Gemüse, Blumen und Kräuter und daraus entstandene Produkte. All dies brauchen wir um uns zu nähren, zu heilen. In der Kirche sitzend, lauschte ich dem Pfarrer und dem Engelsgleichen Gesang der Nonnen. Alle weit über 60 Jahre alt haben sie immer noch kräftige, helle Stimmen. Ich dachte bei mir, so muss es sich für Gott im Himmel anfühlen. Eine sehr tiefgreifende Stimmung, die mich innerlich bewegte, mit einer unsagbaren Menge an Glück. Liebe, Dankbarkeit und mit noch mehr Hoffnung auffüllte. Es ist Ewigkeiten her, dass ich eine Messe besucht habe. Ich war noch nie in einer Kirche zu Erntedank. Ich danke zwar täglich für mein Leben, meine Kinder, meinen Partner und für alles was wir haben, doch ich tue dies nie in der Kirche. Das mit der Kirche ist so eine Sache, doch dies ist eine andere Geschichte und soll an einer anderen Stelle erzählt werden.
Der Bauer, der Bäcker, die Schwestern, die Gärtner, wir alle dankten für die reichlichen Gaben. Ich durfte für die Heilkräuter danken. Mit Worten die tief in mich drangen und mich erfüllten.
Ich ließ mich sogar mitreißen und sang. Ich singe normal nicht und wenn, dann nur für mich alleine, oder an Weihnachten für und mit meinen Kindern.


Die Früchte und Kräuter, die wir nach schwerer Arbeit ernten durften, können wir auch mit unserem Leben vergleichen. Wir bekommen Samen den wir pflanzen, hegen und pflegen. Am Ende dürfen wir ernten. Manchmal ist der Samen schlecht und keimt nicht. Manchmal ist der Samen gut, dann keimt ein kleines Pflänzchen, doch durch vielleicht schlechte Umstände kann es nicht wachsen und vergeht. Vielleicht gab es eine Trockenheit, oder es gab zu viel Wasser, vielleicht war der Boden nicht gut genug, vielleicht aber kam jemand und hat das Pflänzchen kaputt gemacht, vielleicht wurde es auch von einem Tier gefressen. Es gibt viele Umstände warum ein kleines zartes Pflänzchen kaputt geht. Wir geben nicht auf, wir säen erneut und viele Samen werden zu guten Pflanzen, die uns eine ertragreiche Ernte bescheren. So ist es auch in unserem Leben. Wir lernen Menschen kennen und wir geben unser bestes, damit eine gute Beziehung entsteht. Doch nicht immer funktioniert was wir gerne hätten. Sei es weil unser Gegenüber voll Hass und Verbitterung über sein Leben oder andere Menschen ist. Sei es, weil jemand dritter in Neid und Eifersucht die zarte Pflanze der Freundschaft und Verbundenheit zerstört und den andern beiden aufs Übelste mitspielt. Sei es, weil die sich begegnenden Menschen zu unterschiedlich sind.

Ich habe es selbst wieder erleben dürfen. Vor zwei Jahren habe ich ein kleines Pflänzchen der Freundschaft und des Vertrauens keimen lassen. Welches leider durch viele äußere Umstände die mit Hass, Neid und Eifersucht zu tun hatten zerstört wurde. 2 Jahre lang habe ich immer und immer wieder versucht jenes Pflänzchen wieder zu beleben. Ich habe viele Gespräche geführt, habe mein Ego beiseitegeschoben, habe toleriert, habe eingelenkt. Ich wollte nicht akzeptieren, dass meine Investitionen verloren waren, habe versucht um mein Recht zu kämpfen und habe versucht zu zeigen, dass ich von Anfang an ehrlich mit meinem Gegenüber umging. Das habe ich solange gemacht bis ich herausfand, dass egal was ich sagte man mir nicht zuhörte, dass dieser grenzenlose Hass zu jemand anderem, mit dem ich mich auch gut verstehe, ein Hindernis war und ich bemerkte, dass sogenannte Freunde immer und immer wieder gegen mich/ uns sprachen um selbst von dem Hass meines Gegenübers zu profitieren. Also fing ich nach und nach an zu akzeptieren, dass ich zwar immens viel investiert hatte, doch diese Saat niemals aufgehen würde. Ich habe akzeptiert, dass Privatsphäre ein Fremdwort für manche ist. Schlussendlich habe ich akzeptiert die Mühen um dieses Pflänzchen zu beenden und neu zu beginnen.

Der Neubeginn tut mir und meiner Familie sehr gut. Ständige Kritik und Kontrolle was wir wann tun oder nicht tun, haben uns dazu gebracht loszulassen. Alles was uns krank gemacht hat haben wir Stück für Stück hinter uns gelassen. Fakt ist aus dieser kaputten Erfahrung ist nun nach langem Kampf und großer Anstrengung doch etwas Gutes geworden. Wir haben zwar viel verloren, doch wesentlich mehr gewonnen. Besitztum ist nicht wichtig, kein Geld der Welt kann dir deine persönliche Freiheit erkaufen. Das was wir hatten war schön, doch das was wir nun haben ist um ein Vielfaches schöner, ganz ohne Neid, Hass und Eifersucht.
Dafür bin ich unendlich Dankbar. Mir ist heute sehr bewusst geworden, dass ohne die Erfahrungen der letzten zwei Jahre, wir niemals dahin gekommen wären, wo wir heute sind. Generell bin ich dankbar für mein Leben und für alles scheinbare Schlechte wie auch Gute darin. Alles das zusammen hat mich und meine Familie zu dem gemacht was wir und wer wir sind.
Hoffnung, Glaube, Glück, Liebe, Dankbarkeit und Vertrauen erfüllen mein und unser Leben für Hass, Neid, Eifersucht ist hier einfach kein Platz mehr.

Dankbar und sehr glücklich wünsche ich euch allen einen schönen Restsonntag.
In Liebe Regine