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Sag mal Mama, warum magst du Weihnachten so?

AdventDas war die Frage meiner Tochter, als ich mit Begeisterung durch den Weihnachtsmarkt ging und die verschiedenen glitzernden Kugeln und Dekorationen begutachtete.

Alle Jahre wieder transferiert sich das Leuchten der Lichter in meine Augen und ich fühle mich, als würde ich in meine Kindheit katapultiert. Weihnachten war damals etwas ganz besonderes. Es war eine Zeit des Hoffens. Eine Zeit der Bemühung, der Stille, des Friedens.

Meine Mutter, die Alkoholikerin war, versuchte in jener Zeit dem Alkohol fern zu bleiben. Sie fing an die Wohnung zu putzen, versuchte mit mir Kekse zu backen und freute sich an diversen Basteleien, die ich von der Schule heim brachte. Mein Vater, als Choleriker, bemühte sich Stille zu wahren. Seine Verbalattacken beliefen sich auf einmal die Woche, statt mehrmals am Tage.

Wir hatten zwar keine Weihnachtsdeko im heutigen Sinn, doch am Tisch standen immer ein Teller mit Keksen und ein selbst gebundener Adventskranz. Jeden Sonntag wurde eine Kerze mehr angezündet und ich durfte Gedichte oder Geschichten, die wir in der Schule vorbereitet hatten, vorlesen. Es war ein einziges Lied, welches in jenen 15 Minuten des Kerzenglanzes gesungen wurde. Es ist auch heute noch mein allerliebstes Weihnachtslied. Kling Glöckchen Klingelingeling…….

All dies ließ in mir die Hoffnung wachsen, dass doch irgendwann alles gut werden konnte. Es war eine Zeit des Friedens für mich. Eine Zeit der Erholung. Ich fieberte dem Heilig Abend entgegen. Nicht wegen der vielen Geschenke die unter dem Christbaum lagen. Nein, denn viele Geschenke, wie in der heutigen Zeit, waren einfach nicht üblich. Ich fieberte dem Tag entgegen, weil er etwas Geheimnisumwobenes in sich trug.

Die Geschichte der Geburt des Erlösers, jenes Mannes der als Gottes Sohn die Welt heil machen würde, war es die mich in dieser Zeit begleitete. Ich liebte meine Kurzbesuche in der Kirche um die Ecke. Ich war jeden Tag da. Besah die Weihnachtskrippe. Atmete den Weihrauchduft, der in der Luft lag ein und fühlte mich leicht und frei.

Der Kerzenschimmer in den dunklen Tagen, der aus allen Fenstern der Gasse schimmerte, tauchte die Welt in ein Lichterwunderland. Das Glitzern der fallenden Schneeflocken vermehrte sich in diesem Wunderland. Es duftete im Haus nach am Ofen gerösteten Äpfeln und Maronis, nach Vanillekipferl und Zimtgebäck.

Eine Zeit in der mir meine Brüder näher waren. Wo sie näher rückten, da Familienbesuche regelmäßiger waren. Eine Zeit indem ich das Gefühl hatte nicht alleine zu sein, wo ich Kummer, Schmerz und Sorge loslassen konnte. Ganz Kind eben. Ich konnte einfach nur Sein.

All dies begleitet mich auch Heute noch, ich denke gern an damals zurück. Auch wenn ich alle Jahre wieder nach der Weihnachtszeit feststellen musste, dass sich dieser Frieden nicht das ganze Jahr halten konnte. Auch wenn nach jener Zeit die Welt des Wunderlandes wieder verschwand…..

Die Weihnachtszeit war es, die mir Kraft gab den Rest des Jahres mit all seinen Dramen durchzustehen.

Heute habe ich ein friedliches Familienleben, es droht keinerlei Gefahr von Innen. Es ist rein die Außenwelt, die mir Sorgen bereitet. Das Weltgeschehen für das ich hoffe und bete. Auf die Vernunft der Menschen auf die ich hoffe. Dass sie verstehen mögen, dass Kämpfe, Ignoranz, Macht, Gier sie nicht weiter bringt, sondern nur unsägliches Leid hervorrufen kann. Dass sie verstehen mögen, dass wir nur Besucher sind für mehr oder weniger Lebensjahre. Gäste auf einer wunderschönen Erde die uns nährt und beheimatet. Hoffnung, dass Menschen aufhören andere Menschen zu bekriegen, zu unterdrücken, weil sie anders denken oder glauben. Hoffnung, dass sie aufwachen und verstehen, die Gegenseitige Zerstörung sein lassen …..

Ich mag Weihnachten, weil diese Zeit mich zum Träumen, Beten und Hoffen verführt. Weil sie mich in Stille, Ruhe und Frieden versetzt. Weil sie mich mit ihrem bunten Glitzer und dem Kerzenschimmer vergessen lässt, dass ich nicht im Wunderland bin…..

Die Hoffnung, dass alles gut wird und die Menschheit sich besinnt stirbt nie…..

Ich wünsche euch eine friedliche, gesegnete und besinnliche Adventszeit

Regine