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Regine Swoboda - Am Ende ist der Anfang

  • Ragine Swoboda - Am Ende ist der AnfangDie Dinge sind nicht immer so wie sie zu sein scheinen, oder?
  • Phantasie oder Realität?
  • Was erkennt man, wenn man Menschen auf der Straße begegnet und ihnen ins Gesicht blickt?
  • Sehen wir einem lächelnden Gesicht an, ob sich Schmerz dahinter verbirgt?
  • Wollen wir wirklich das Leben mit anderen tauschen, auf die wir im ersten Augenblick neidisch sind?
  • Haben wirklich nur wir selbst Probleme und Sorgen, oder sind wir einfach nur blind unseren Mitmenschen gegenüber?

Fragen über Fragen…

Gebundene Version, Hardcover DIN A5, 200 Seiten, PReis 14,50 €, zzgl. Versand. [>>Preise und Bestellen]

Es ist ein strahlend heißer Sommertag. Michelle deckt den Tisch im Garten, richtet eine Kanne Kaffee zurecht, stellt Kuchen dazu. Das Leben ist so schön. Sie reckt ihr Gesicht den Sonnenstrahlen entgegen und erfreut sich an dem Gekicher ihrer Kinder. Im Hintergrund zwitschern die Vögel ihre fröhlichen Lieder. Es riecht nach einer wunderbaren Mischung von Sonnencreme, frisch gebrühtem Kaffee und nach Sommerblumen. Das Gras ist frisch gemäht und sie freut sich auf den Besuch ihrer Freundin Sylvia, die sie Heute zum plaudern eingeladen hat. Michelle weiß, dass Sylvia derzeit unter großem Druck steht und sie möchte ihrer Freundin einfach nur etwas Gutes tun. Im Geist sieht sie ihre Mutter ebenfalls lächelnd hier stehen, mit Stolz auf sie und ihre Enkelkinder blickend. Zufrieden blickt sich Michelle um und schon klingelt es an der Tür.

„So ein beschissenes Leben, manchmal frage ich mich was ich hier soll. Wann zum Teufel kommt endlich die Zeit wo ich diesen ganzen Mist nicht mehr erleben muss? Egal was ich tue, egal wie sehr ich mich bemühe, immer kommt es anders, als ich geplant habe.“ erzählt Sylvia murrend ihrer Freundin. Michelle sieht sie lächelnd an und antwortet ihr: „Komm erzähl, wo liegt dein Problem?“ Michelle deutet auf den Gartentisch und schenkt Sylvia Kaffee in ihre Tasse. Völlig entnervt setzt sich Sylvia an den Tisch. „Ach, ganz einfach“ erwidert Sylvia so richtig aufgebracht „Die Kinder Nerven, mein Mann ist am rotieren, wenn es nicht läuft wie er es möchte. In der Arbeit ist nur Stress und alle lassen ihren Frust an mir aus.“ Lächelnd kann sich Michelle ihre Antwort nicht verkneifen, wie gut sie all dies doch kannte: „Das nennt man Leben Sylvia. Nicht immer läuft alles rund, doch in jedem Fall lohnt es sich.“ Sylvia verzieht das Gesicht, wieder so eine Freundin die keine Ahnung hat, wie sie sich fühlt, wieder so eine Freundin die ihr mit solch klugen Sätzen den allerletzten Nerv zieht. Michelle sieht es und lächelt noch mehr. „Ja, ja Michelle, du kannst ja leicht so reden. Du hast ja keine Ahnung wie echtes Leben ist. Bei dir ist ja alles in Ordnung. Stolpersteine hast du keine, dein Leben verläuft ruhig. Du hast alles. Wenn ich ein Leben wie du hätte, dann könnte ich auch so klug reden.“

„Weißt du Sylvia der Schein kann manchmal wirklich trügerisch sein. Nicht immer sind die Dinge so, wie sie zu sein scheinen.“ antwortet Michelle ihr. Sylvia holt tief Luft: „Was willst du mir damit sagen?“ „Ich will dir das sagen, was ich gesagt habe. Es ist nicht immer alles so, wie es zu sein scheint. Jeder hat seine Probleme, auch ich habe eine Geschichte.“ antwortet Michelle lächelnd. „Na dann schieß los, schauen wir doch mal, ob du wirklich mitreden kannst.“ ist Sylvias Antwort, die immer noch verärgert ist, sie empfindet es als persönlichen Angriff gegen sich, keiner hört ihr zu, keiner versteht was sie meint.

„Ok, Sylvia, dann erzähl ich dir eben ein wenig von mir“ Michelle kann fühlen, dass Sylvia sich angegriffen fühlt und so entschließt sie sich ganz spontan dazu, ihr ein wenig aus ihrem Leben zu erzählen.

„Ich war vier Jahre alt, als ich das erste Mal begriff, dass mit meiner Mutter etwas nicht stimmte. Sie lag am Boden, als ich ins Zimmer kam, es war Tag und mein Papa war wohl noch bei der Arbeit, denn er war nicht da. Ich kam ins Zimmer um meiner Mutter ein Bild zu zeigen, welches ich gemalt hatte, nachdem sie mich mit meinen Malfarben und ein paar Blättern Papier auf meinen kleinen roten Tisch und meinem Lieblingssessel platziert hatte. Ich weiß nicht wie lange ich dort saß und malte, ich weiß nur, dass ich ein artiges Mädchen war und sie nicht störte, weil sie mich darum gebeten hatte.

Als mein Bild fertig war, rief ich sie um ihr mein Kunstwerk zu zeigen. Sie antwortete nicht und ich dachte sie würde mich nicht hören und so beschloss ich zu ihr zu gehen. Ich kam ins Zimmer und ich sah sie am Boden liegen, ich lief zu ihr um zu sehen was denn los sei, ich stupste sie und rief „Mama!“ und sie gab mir eine sehr komische lallende Antwort die ich nicht verstand. Ich weiß nur mehr, dass mir das Angst gemacht hat. Sie rappelte sich hoch und sah mich mit seltsamen Augen an, sie wackelte und ihre Bewegungen waren äußerst komisch.

Ich sagte: „Mama, was ist denn mit dir?? Geht es dir nicht gut, Mama, ich hab Angst, Mama!“ Ich kann heute noch fühlen, wie ihre Hand ungeschickt meinen Kopf berührte, ich kann heute noch riechen, wie seltsam sie gerochen hat. Sie versuchte mich zu beruhigen, indem sie mir erklärte, ihr wäre nur schlecht und sie würde sich nur ein wenig ausruhen wollen. Mein Kunstwerk zeigte ich ihr nicht, denn ich hatte zu viel Angst um sie. Sie legte sich auf das Bett und schlief, ich saß daneben und hielt wache.

Wie lange ich da saß und ihr beim schlafen zusah, kann ich nicht mehr sagen, aber ich kann dir sagen ich saß da und ich beobachtete jeden Atemzug, ich war erstarrt vor Angst und ich weinte stumm vor mich hin.

Als sie wach wurde, ging es ihr besser und sie bat mich Papa nicht zu sagen, dass sie heute krank war, denn sonst würde er sich sorgen machen. Ich war ein gehorsames Mädchen, ich behielt unser Geheimnis. Von dem Tag an, sah ich meine Mutter öfter in diesem Zustand und immer saß ich neben ihr und sah ihr beim Schlafen zu, weinte still vor mich hin. Ich konnte nicht verstehen was los war und ich konnte nichts für sie tun außer hier sitzen und warten bis sie wieder aufwachte.

Ich beobachtete gut und ich passte auf, ich ging mit ihr einkaufen und ich sah wie sie sich Flaschen kaufte, die sie sehr schnell trank, manchmal noch im Geschäft, manchmal auf dem Weg nach Hause. Ich stellte fest, dass aus diesen Flaschen der eigenartige Geruch kam, nach dem sie immer roch. Ich stellte fest, wenn sie diese eigenartigen Getränke zu sich nahm, dann wackelte sie beim Gehen und sie sprach seltsam, sie konnte mit ihren Händen nicht mehr so gut umgehen wie sonst und sie wurde ungeschickt. Ich wurde oft Zeuge wie sie stürzte, weil ihre Füße nicht machten was sie wollte. Ich sah ihre blauen Flecken und ihre Schürfwunden und manchmal wie sie blutete.

Es verging kaum ein Tag, an dem ich nicht still darum bat, jemand möge kommen und meiner Mutter helfen. Doch es kam nie jemand. Ich wurde älter und ich wurde sehr schnell, sehr Erwachsen.

Mit sechs Jahren kam ich in die Schule, ich freute mich darauf wie jedes kleine Kind und doch fürchtete ich mich auch, ich fürchtete mich davor, was wohl mit meiner Mutter wäre, wenn ich nicht zu Hause sein würde. Wenn ich zu Mittag von der Schule heimkam, fand ich meine Mutter oft in dem Zustand vor, in dem ich sie eigentlich nicht vor finden wollte.

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